Was hatte mich bewogen, ein Audion - auf einem Holzbrett
frei verdrahtet, gemischt mit alten und jüngeren Bauelementen, aufzubauen?
Ich wollte damit aufzeigen, wie einfach und doch genial die Röhrentechnik
geeignet war, um Radio zu hören. Mit wenigen Bauteilen konnte man, schon in
Zimmerlautstärke, Sender empfangen die nicht im Ortsbereich lagen.
Natürlich hätte ich auch anstatt der AF 7 eine EF 80 und für die AL 4 die
EL 84 nehmen können - ich glaube aber, gerade zu der Spulenart die ich wählte
passt die AF 7, AL 4 und die AZ 1 besser. Es soll uns ja auch optisch in die
Vergangenheit, also in die Anfänge der Röhrenrundfunkgeschichte schicken.
Für die passiven Bauteile, wie Widerstände und Kondensatoren, habe ich um
meine Altbestände zu schonen neuere, also aus den 60-iger Jahren und später,
verwendet.
Der zweite Grund des Aufbaus eines solchen Empfänger lag darin, das Verhalten
von Spulen zueinander auszuprobieren. Und da ist nichts einfacher als
Steckspulen zu verwenden mit unterschiedlichem Aufbau und Induktivitäten. -
Auf die Lautstärkereglung und Klangreglung wurde verzichtet.
Und ein letzter Grund war, einfach Messpunkte an jeder Stelle zu haben. Ich
kann durch die freie und offene Verdrahtung an jeder Stelle Spannungen messen,
einen Oszillograph anschließen und durch ablöten die Ströme messen.
Aus der Vielzahl von Schaltplänen habe ich mich für den von EMUD-Rekord 31 W
entschieden. Ich wollte die Besonderheit ausprobieren, Abnahme der
Anodenspannung am Ladeelko noch vor der Feldspule für die AF 7. - Hatte man
das gemacht um Spannungsschwankungen durch die AL 4, hervorgehoben von der
Audionsröhre, fernzuhalten - oder diente es alleinig zur
Brummspannungskompensation?
Wie auf den Bildern ersichtlich ist die Eingangsspule schwenkbar angeordnet.
Schwingkreis- und Rückkopplungsspule sind fest in ihrem Abstand zueinander.
Die Eingangspule dient gleichzeitig zur Lautstärkereglung, aber auch zur
Selektionsverbesserung.
Ich verwende eine Hochantenne (ca. 10 m Langdrahtantenne waagrecht gespannt).
- Da ich keinen Sperrkreis, wie im Schaltbild vorgesehen, eingebaut habe
spielt der Abstand und damit die induktive Einkopplung des Antennensignals
eine wichtige Rolle.
Verwendet wurde im Eingang:
- eine originale Korbspule
- eine selbstgewickelte Honigwabenspule
- eine selbstgewickelte Sternspule.
Die besten Ergebnisse brachte die Sternspule. Fast noch in einen Winkel von 60
Grad abgedreht war ein Empfang noch zu hören, und die Rückkopplung war sehr
feinfühlig handhabbar.
Die Honigwabenspule und die Korbspule kann man als fast gleich bewerten.
Unterschiedliche Windungszahlen (Induktivitäten) haben sich nicht ausgewirkt.
Ein Ergebnis was ich selbst erst nicht glauben wollte: es musste unbedingt
eine Erde angeschlossen werden. Ohne Erde war alles mit der Netzfrequenz (50
Hz-Ton) überlagert. - Mit der Erde war kein Netzbrummen mehr zu hören!
Die Schwingkreisspule:
Auch hier wurden verschiedene Spulenarten eingesetzt. So konnte ich mit allen
verwendeten Spulenarten den Bereich in der Mittelwelle von 600 KHz bis 1300
KHz empfangen und auf der Langwelle bis 600 KHz.
Gemessen habe ich das mit einen Meßsender, den ich an die Antenne
angeschlossen hatte. Unterschiede waren hierbei nicht feststellbar. - Wie
gesagt, durch die Verwendung unterschiedlicher Induktivitäten durch den
Spulenaufbau bedingt, war der Empfangsbereich bei 500 pF Drehko nicht gleich.
Die Versuche mit dem Kurzwellenband habe ich aufgegeben, da hätte ich eine
andere Rückkopplungsart wählen müssen (G 2-Spannungsregelung an der AF 7).
Von der Möglichkeit, an verschiedenen Punkten Spannungsmessungen durchzuführen
und den Oszillographen anzuschließen habe ich rege Gebrauch gemacht,
erleichtert wurde mir dies durch den gewählten Aufbau.
Interessant sind die Oszillographenbilder, abgenommen am Gitter 1 und 2 der AF
7 und an der Anode der AF 7 sowie am Gitter 1 der AL 4 und der Anode. - Hier
war nur noch eine reine NF sichtbar.
An allen anderen Punkten konnte man noch HF und HF-Reste feststellen. Auch die
Abstrahlung von HF bei Einsatz der Rückkopplung war messbar. Zum Glück habe
ich keine Nachbarn, die MW hören! - In wie weit harmonische Wellen auftreten
werde ich noch später überprüfen.
Die Rückkopplung:
Auch hier verwendete ich verschiedene Spulenarten. Dabei spielte hier für den
weichen Einsatz nicht die Spulenart eine Rolle, sondern die Windungszahl. - Je
weniger Windungen, desto weicher und feinfühliger der Einsatz der Rückkopplung.
Eine elektrische Verkürzung des 250 pF-Quetscher's mit einem 100
pF-Kondensator ist eine sinnvolle Maßnahme, sicherlich bedingt dadurch, dass
ich anstatt des Differential-Quetschers einen normalen verwendet habe.
Mit einer sehr feinfühligen Rückkopplung wird eine die Rundfunkwelt in den
Abendstunden so richtig offen - es gibt schon noch etliche Mittel und
Langwellensender !
Ich bin für Hinweise und andere Erfahrungen - aber für Anfragen - dankbar.
Dient doch unser gemeinsames Hobby dem Erhalt der Geschichte der
Rundfunktechnik.