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Achtung jegliche Reparatur erfolgt auf eigene Verantwortung und Risiko, der Verfasser übernimmt keinerlei Haftung und Gewährleistung! 

Altes Radio was nun!

Mit diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen bei der Wiederinbetriebnahme von einem Röhrenradio insbesondere jungen Radiobastlern oder Interessierten darstellen.

Profis werden sicherlich an der einen oder anderen Stelle lächeln oder vielleicht eine andere Meinung haben.

Am Anfang möchte ich folgenden Warnhinweis stellen:  

An jeder Stelle des Röhrenradios kann eine Lebensgefährliche Spannung vorhanden sein!

Davon muss man immer ausgehen. Also, immer erst untersuchen, evtll. reparieren und dann ausprobieren. Ich werde an den verschiedenen Stellen Hinweise dazu geben.

Vorab eine Kostprobe der Gefährlichkeit.

In vielen Büchern findet man, dass man das Gitter 1 der Endröhre mit dem Schraubenzieher oder Finger berühren sollte, um zu prüfen, ob ein Brummton im Lautsprecher zu hören ist. Aber oftmals ist der Koppelkondensator von der Anode der Vorröhre zum Gitter 1 niederohmig geworden. Im ungünstigsten Fall kann die volle Anodenspannung anliegen. Und wenn dann eine Hand an der Achse des Potis und die andere am Gitter 1 bei einem defekten Koppelkondensator liegt - das kann es schon gewesen sein! Masse gegen 250 Volt!

So nun aber soll es richtig losgehen.

Man hat das Radio erstanden - und es steht auf den Tisch. Wie nun weiter?

Prüfen ob es ein Allstrom oder Wechselstrom Empfänger ist.

     - wenn auf der Rückwand  die Röhrenbestückung mit R, A, E -Röhren zu finden sind, dann  
        handelt es sich in der Regel um einen Wechselstromempfänger.

     - wenn auf der Rückwand die Röhrenbestückung   mit der Bezeichnung U, V, C, zu finden 
        sind, dann handelt es sich um ein Allstromgerät.

     - wenn  auf der Rückwand die Röhrenbestückung  mit der Bezeichnung K, D, steht, dann 
        handelt  es sich um ein Batteriegerät.

     - steht nichts auf der Rückwand, dann entfernen wir nun die Rückwand. (Achtung ,  
       Originalschrauben aufbewahren !)

       Jetzt kann man die Röhren sehen und eventuell die Bezeichnung.

       Sieht man schon dabei einen großen Trafo so kann man davon ausgehen das es sich um ein 
      Wechselstromgerät handelt

 Entstauben

Bevor man mit den vorsichtigen Entstauben beginnt, entfernt man sicherheitshalber alle Röhren. Jedoch Achtung : auf einem Röhrenplan vermerken, wo welche Röhre war. Auch - wenn vorhanden - an das „Magische Auge“ denken.

Achtung! Röhren rollen sehr leicht, und Ihr könnt es glauben-  immer nach unten!

Deshalb alles was aus Glas ist in Sicherheit bringen. Auch bei einem kleinen elektrischen Schlag besteht die Gefahr beim wegzucken, so daß man etwas mitreißt.

 Nachdem man mit Hilfe eines feinen Pinsels und dem Staubsauger den größten Teil des Staubes entfernt hat ( Saug- und Blaswirkung der Staubsauger verwenden ) beginnt der Ausbau des Chassies.

Dazu prüft man zuerst, ob der Lautsprecher mit herausnehmbar ist, ansonsten lötet man die Anschlüsse am Lautsprecher oder Übertrager ab. - Anschlussschema aufschreiben nicht vergessen!

Jetzt können alle Knöpfe entfernt werden. Hier sollte man immer einen guten Schraubenzieher verwenden, damit die Madenschrauben nicht ausbrechen. Bei Allstromgeräten z.B. DK 38 können die Schraublöcher verkittet sein. Wellenschalterknöpfe an der Seite haben in der Regel eine Mittelschraube oder sind gesteckt, sie sitzen manchmal sehr fest.

Danach das Radio auf die Seite legen und die Schrauben am Boden bis auf eine lösen. Die letzte Schraube wird erst entfernt, wenn das Radio wieder richtig steht.

 Nun kann man, ist die letzte Schraube auch entfernt worden, das Chassie vorsichtig herausziehen. Achtet auf die Skalenscheibe, das Sie nicht angeklebt ist! Das Gehäuse wegnehmen und das Chassie vorsichtig so hinlegen, dass man das Innere sieht ohne das es umfallen kann.

Auch hier vorsichtig mit einem weichen Pinsel den Staub entfernen. Jetzt sehen wir die Bauelemente. Dabei können wir schon optische Schäden sehen, der Teer ist an Kondensatoren herausgedrückt, an den Elkos befinden sich weiße Kristalle und auch Widerstände können Spuren von Erwärmung zeigen. In ganz seltenen Fällen sind Drähte abgerissen.

 Erste Prüfungen

 Ich beginne immer zuerst mit der Prüfung des Netztrafos. Bei Allstromempfänger kann man diese Kapitel natürlich nicht anwenden, da in der Regel kein Netztrafo höchstens ein Heiztrafo für die Gleichrichterröhre vorhanden ist. (Heiztrafos für die Gleichrichterröhre wurden bei Telefunkengeräte, die mit C- Röhren bestückt sind, teilweise verwendet.

Mit dem Ohmmeter werden die Primärwicklung und die Sekundärwicklungen gemessen. Dabei sind auch die Kontakte des Spannungswahlschalters und der Feinsicherung mit zu kontrollieren.

Primär sollte der Wert  zwischen 15 bis 100 Ohm liegen. Dann kann man davon ausgehen, dass diese Wicklungen in Ordnung sind. Sekundärseitig liegen die Werte bei den Anodenspannungswicklungen zwischen 50 bis 300 Ohm. Dabei haben die beiden Anodenspannungswicklungen,  da sie nacheinander gewickelt wurden, nicht gleiche Ohm  Werte (z.B. 125 Ohm und 133 Ohm. Bei der 2. Wicklung ist der Draht je Windung länger, darin liegt die Begründung. Ist diese auch in Ordnung, so wird noch eine (hochohmige) Isolationsmessung zwischen primär und sekundär Seite durchgeführt.

Nun schaut man sich noch die Heizwicklungen an, wenn sie sichtbar sind, ob sie durch einen Kurzschluss warm geworden waren. (Isolierlack verbrannt?).

Wenn ja dann nach dem Kurzschluss suchen! Dazu lötet man einen Draht der Heizwicklung ab, denn diese ist ja niederohmig, 1 bis 3 Ohm. Das macht man für die Gleichrichterröhre, die eine eigene Heizwicklung bei direktbeheizten Röhren hat, und bei der Wicklung für die anderen Röhren. Da die Drähte der Heizleitung meistens verdrillt sind kann dort eine Ursache liegen, oder am Sockel der Röhren gibt es eine Kurzschlussmöglichkeit. Auch an das „Magische Auge“ denken! 

Stellt man keine Schäden fest, so ist eine wesentliche Voraussetzung des Erfolges gegeben!

Denn wenn der Trafo durchgebrannt ist und man keinen Ersatz hat, wird der Erfolg, dass das Radio wieder spielt äußerst schwierig. Danach messe ich den Ausgangsübertrager aus. Auch der muss Primärseitig einen Wert von 100  bis 1200 Ohm haben, ein leichtes knacken am Lautsprecher (verursacht durch die Batteriespannung des Ohm-Meters) ist ein gutes Zeichen für die Funktionsfähigkeit der Übertrager. Vorraussetzung ist jedoch dabei, dass der eigene oder ein anderer Lautsprecher angeschlossen  ist. Wenn wir gerade beim Lautsprecher sind, so sehe ich ihn mir genau an. Hat er einen Dauermagneten für das Magnetfeld, so wird im Radio auf dem Chassie eine Netzdrossel sein.

Nur bei U- Röhren (Allstrom) oder im VE-W hat man Widerstände zwischen Lade- und Siebelko zur Einschaltstrombegrenzung und Siebung der Netzspannung - wenn keine Feldwicklung vorhanden war - benutzt. Erst bei viel späteren Radios wurde auf die Netzdrossel verzichtet, auch hier wurden dann Widerstände eingesetzt.

Ist eine Feldspule als Elektromagnet auf den Lautsprecher gewickelt, so messeich diese auch! Der Wert wird im Ohmbereich liegen. Gleiches trifft für die Netzdrossel zu. Auch hier liegt der Durchgangswert bei einigen Ohm. Ist im Radio ein Freischwinger als Lautsprecher vorhanden (erkennt man an den U-Magneten, DK 38, VE W u. G), so ist kein Ausgangsübertrager und auch keine Feldwicklung vorhanden. Die Spule des Freischwingers hat einen bis ins KOhm Bereich gehenden Widerstandswert. Auch hier ist ein leises knacken beim messen ein gutes Zeichen. 

Nun haben wir schon einen wichtigen Teil der Prüfarbeit abgeschlossen! 

Jetzt beginnen wir mit der  Prüfung des Netzkabels. Vorsichtig wird der Netzstecker geöffnet. Auch hier wieder Wert auf die Originalschrauben legen. Die alten Kabel ein Stück nachsetzen und gut verzinnt wieder einbauen. Dabei die Kontaktflächen mit säubern. Jetzt den Durchgang bis zum Schalter prüfen und dann bis zum Trafo über die Feinsicherung. Hat alles im eingeschalteten Zustand Durchgang bzw. man misst den Wert der Primärwicklung so ist alles in Ordnung. Oft jedoch sind die Kontakte der Sicherung oxidiert und der Schalter im Poti gibt keinen Durchgang. Ich baue in einer solchen Situation immer das Poti aus. Manchmal hat man Glück und ein wenig Kontaktspray, in das Schaltergehäuse gesprüht gibt wieder Kontakt.

Findet man keine kleine Öffnung, so bohrt man ein 2 mm Loch mit großer Vorsicht in die Seite der Schaltergehäuse. Als neues Nietmaterial verwende ich Kabelpresshülsen aus dem Baumarkt (werden für flexible Leitungen  verwendet), wenn ich das Poti demontiere. Wenn das nichts nutzt, so hat man 2 Möglichkeiten - entweder die Demontage und Reparatur oder man verzichtet auf den Schalter, wenn man keinen Ersatz findet. Ist alles in Ordnung dann baut man das Poti wieder ein. 

Bei Allstromgeräten, also die ohne Netztrafo prüft man den Durchgang bis zum Gleichrichter (kann eine Röhre oder ein Selenplatten-Gleichrichter sein). Das andere Ende geht bei diesem Empfänger an die zentrale Masse. Für den Potischalter gilt das gleiche wie schon oben beschrieben.

Ist hier alles in Ordnung so wenden wir uns nun der Sekundärseite zu! Ich habe immer festgestellt, daß die Symmetriekondensatoren parallel  der Anodenanschlüsse der Gleichrichterröhre zur Masse oder des Gleichrichters so defekt sind, daß sie bei der Inbetriebnahme nach kurzer Zeit Schaden nehmen und damit auch im Gerät Schaden herbeiführen können. Hat man hier keinen Ersatz, so sollte man lieber auf diese verzichten.

Diese Kondensatoren haben Werte von 10 bis 50 nF - bei 500 Volt Wechselspannung - und 1000 Volt Gleichspannung und sollten Induktionsarm sein. Die Kondensatoren sollten auch das mitziehen des Netzbrummens bei Mittelwelle und Langwelle verhindern. Nach dem  wir nun die Primärseite unseres Empfängers geprüft und gegebenenfalls repariert haben, widmen wir uns nun der Sekundärseite zu.

Die unterteilen wir in:

die Siebung der Wechselspannung

die Endstufe

die Vorverstärker- und Hochfrequenzgleichrichterstufe

der Zwischenfrequenzverstärkerstufe bei Super

die Eingangs- und Oszillatorstufe bei Super

zu Ein- oder Mehrkreisempfänger erfolgen immer an geeigneter Stelle hinweise.

Zur Gleichrichtung und Siebung der Wechselspannung.

Wie vorangehend schon dargestellt, erfolgt die Gleichrichtung durch eine Gleichrichterröhre (Ventilwirkung) in Ein- oder Zweiweggleichrichtung  (AZ1, AZ 11, EZ 80 sind Beispiele für Zweiweggleichrichter und VY 1, VY 2, UY11, CY1 sind Vertreter der Einweggleichrichterröhren. Man verwendete früher auch Zweiwegröhren in Einwegbetrieb. Das sparte Draht für die Anodenwicklung. 

Nach dem Krieg gab es dann Ersatz für die Einwegröhren in der Form eines Selenplatten -Gleichrichter gepaart mit dem Ersatzwiderstand für die fehlende Heizung bei Allstromgeräten - bedingt durch die Reihenschaltung der Heizung aller Röhren.

Bei Parallelschaltung der Heizung der Röhren war der Ersatzwiderstand nicht notwendig. Man konnte auch zwei Selenplatten-Gleichrichter einsetzen.

Vorsicht jedoch beim Ersatz mit Silizium- oder Germanium-Gleichrichterdioden. Hier besteht die Gefahr, dass der Ladestrom für die Elkos beim Einschalten die Anodenwicklungen zerstört. Beim Einsatz dieser Dioden ist immer ein Vorwiderstand zur Strombegrenzung erforderlich !  

Die Prüfung der Gleichrichteröhre erfolgt entweder in mit einem Röhrenprüfgerät, oder man baut sich eine kleine Versuchsschaltung auf. Die Heizung kann man mit dem Ohmmeter prüfen. Werte liegen zwischen 4- 30 Ohm in der Regel.

Den Selenplatten- Gleichrichter  kann man auch mit der folgenden Versuchsschaltung prüfen:

Achtung, wenn keine F-I Schaltung vorhanden ist generell einen Trenntrafo benutzen - Lebensgefährliche Spannung !!!

Nach Anlegen der richtigen Heizspannung und des Wechselstromes von 220 Volt fängt die Lampe an zu leuchten und wir können einen Stromwert am Amperemeter ablesen.

Der sollte mindestens 20 mA betragen. Vorsicht bei der VY 2 - diese Röhre, verwendet im DK 38 z.B. ist sehr empfindlich im internen Katodenanschluss der Röhre. Dieser dünne Draht brennt sehr leicht durch, und damit ist die Röhre für immer unbrauchbar geworden. Diese Röhre prüft man am besten mit Hilfe eines Röhrenprüfgerätes oder man legt die Heizspannung von 30 Volt an und misst mit Hilfe des Ohmmeters den Durchgang in Flussrichtung. Wenn sich der Widerstandswert beim warm werden des Heizfadens verringert, so ist die Röhre noch brauchbar.  

Kommen wir jetzt zu einen einfachen aber wichtigen und auch gefährlichen Bauteil im Netzteil den "Elektrolytkondensator". 

In der Regel gibt es zwei Kondensatoren. Sie können beide in einem Gehäuse untergebracht sein. Früher wurden sie überwiegend in axialer Ausfertigung in Pertinaxgehäusen hergestellt, deren Enden mit Teer vergossen wurden. Durch Austrocknen sind diese immer defekt bzw. haben ihren Wert verloren. Ich habe noch nichts anderes erlebt .Zum Glück sind findige Bastler auf eine gute Restaurierungsidee für diese aus Pertinax-Rohr gefertigten Elkos gekommen. Man nimmt diesen Elko und erwärmt ihn mit einer Heißluftpistole vorsichtig. Wenn der Teer an den Enden talgig wird zieht man mit Hilfe einer Zange den Elko-Inhalt heraus. Keine Angst - bei mir ist immer noch alles herausgekommen. Bleibt der Teerverschluss der Gegenseite drin, so steckt man einen neuen Elko richtig gepolt in die leere Hülle. Wenn man schnell ist, kann man den Teerverschluss der herausgezogenen Seite, weil er noch warm ist wieder hineinführen. Der Elko sieht dann wie neu aus und ist - bis auf seine Außenhaut - auch neu!

Das man die Drähte des neu eingebauten Elkos vorher auf die notwendige Länge bringt, sollten sie zu kurz sein und ihn auf den richtigen Durchmesser überprüft (er darf nicht zu dick sein) sollte noch erwähnt werden.

Warum ist der Elko so gefährlich:

Das liegt daran, daß er in der Lage ist eine hohe Spannung sehr lange zu speichern. Diese hohe Spannung gibt er in einer sehr großen Stromstärke ab und diese in Form von Gleichspannung.

Stromschläge durch Elkos sind besonders Gefährlich!!!

Auch beim Entladen durch Kurzschluss kann man nicht davon ausgehen, dass der Elko keine Spannung mehr hat. Das Gegenteil ist meistens der Fall. Nach wenigen Sekunden misst man schon wieder eine höhere Spannung. Deshalb Elkos mit einen 10 KOhm Widerstand entladen! Nach dem die Elkos nun repariert sind prüfen wir noch den Durchgang der Siebdrossel, der Feldwicklung. Wenn sie die Funktion der Drossel erfüllt - bzw. wenn beides nicht  vorhanden ist - den Last-Widerstand auf seinen Wert. Es wurde hier meistens Widerstände zwischen1 und 3 KOhm / 3 - 5 Watt verwendet. 

Hat man hier alles im sogenannten "grünen" Bereich, also alles ist in Ordnung so misst man am Siebelko die Hochohmigkeit. Wenn also das Messgerät im Messbereich 1 MOhm angeschlossen wird, zwischen Masse und + Elko, dann muss der Widerstandswert langsam auf über 100 KOhm ansteigen. Das langsame ansteigen ist durch das aufladen der Elkos bedingt. Sollte der Wert unter  30 KOhm liegen, so kann ein parallel geschalteter Widerstand, der Belastung der Erregerwicklung (wie beim VE-W) oder zum Entladen der Elkos die Ursache sein. - Immer danach suchen ! Denn wenn so ein Widerstand nicht vorhanden ist, so gibt es woanders einen Masseschluß. Eine Ausnahme soll noch erwähnt werden, die Parallelschaltung der Erregerspule des Lautsprechers zu den Elkos.

Wird fortgesetzt!   

                                                                                                                                          

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